Epigenetik - Wenn sich der Schrecken im Erbgut festsetztUmwelteinflüsse wie starker Stress während der Geburt und traumatische Erlebnisse in frühester Kindheit können das Erbgut nachhaltig verändern. Damit gerät ein Dogma der Biologie ins Wanken, dass nur Mutationen das Erbgut formen können. Dass schwere Belastungen in früher Kindheit das Risiko erhöhen, an schweren Depressionen und Angststörungen zu erkranken, ist seit langer Zeit auch beim Menschen bekannt. „Kleinkinder, die schweren körperlichen Bestrafungen, Missbrauch, aber auch emotionaler Vernachlässigung ausgesetzt waren, besitzen ein größeres Erkrankungsrisiko für Depression“, sagt Florian Holsboer, Direktor am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Der molekulare Mechanismus dahinter war allerdings bislang ungeklärt. Im Experiment mit Mäusen konnten die Wissenschaftler zeigen, wie Stress dauerhafte Veränderungen der Erbsubstanz hervorruft...
... Epigenetik nennen Molekularbiologen das Phänomen, welches in einem alten Streit vermittelt: Während Modelle, die auf den Erkenntnissen des Naturforschers Charles Darwin basieren, davon ausgehen, dass nur Gene vererbbare Merkmale prägen, ging Darwins Zeitgenosse, der Biologe Jean-Baptiste de Lamarck, davon aus, dass sich die Wirkung der Umwelt in nachfolgenden Generationen niederschlagen müsse. Heutige Forscher sind davon überzeugt, dass sich die beiden Mechanismen ergänzen, und erforschen, wie epigenetische Regulationen des Erbmoleküls ablaufen...
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