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Haben wir einen freien Willen? (Die Libet-Experimente)
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Topic: Haben wir einen freien Willen? (Die Libet-Experimente) (Read 5148 times)
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Boomer
Guest
Haben wir einen freien Willen? (Die Libet-Experimente)
«
on:
June 11, 2008, 06:37:14 pm »
Tun wir, was wir wollen oder wollen wir, was wir tun? Eine interessante Frage ...
Quote
Die Experimente von Benjamin Libet zu bewußten Willensakten zählen schon seit längerer Zeit zu den in der Philosophie am häufigsten diskutierten empirischen Untersuchungen. Die Experimente wurden bereits in den achtziger Jahren veröffentlicht (Libet et al. 1983; Libet 1985), sind aber zwischenzeitlich verschiedentlich wiederholt und verbessert worden (Keller und Heckhausen 1990; Haggard und Eimer 1999; Miller und Trevena 2002; Trevena und Miller 2002).
In seinen ursprünglichen Experimenten untersuchte Libet die zeitliche Abfolge zwischen einer einfachen Handlung, dem dazugehörigen bewussten Willensakt und der Einleitung der Handlung auf der neuronalen Ebene; im allgemeinen werden aus seinen Experimenten aber auch Aussagen über die kausalen Zusammenhänge zwischen diesen Prozessen abgeleitet.
Die Versuchspersonen hatten die Aufgabe, mehrmals (insgesamt vierzig Mal) eine einfache Handbewegung der rechten Hand auszuführen. Den Zeitpunkt der Ausführung konnten sie jeweils weitgehend frei wählen. Gleichzeitig waren sie aufgefordert, sich genau zu merken, wann sie den bewussten "Drang" ("urge") oder Wunsch verspürten, die Bewegung auszuführen. Zu diesem Zweck sollten sie sich die Position eines Punktes merken, der sich ähnlich wie ein Sekundenzeiger mit einer Geschwindigkeit von ca. 2,5 Sekunden pro Umdrehung auf einer Art Zifferblatt bewegte.
Libet maß gleichzeitig den Anstieg des symmetrischen Bereitschaftspotentials. Das symmetrische Bereitschaftspotential ist ein im Elektroenzephalogramm (EEG) messbares negatives elektrisches Potential, das bei der Vorbereitung willentlicher Bewegungen entsteht und etwa eine Sekunde vor der Ausführung der Bewegung einsetzt. Das Potential ist sehr schwach; es kann daher nur durch Mittelung über eine Vielzahl von Versuchsdurchgängen (meistens etwa 40) festgestellt werden. Die zugrunde liegende neuronale Aktivität tritt auf im supplementären motorischen Areal, im primären motorischen Areal sowie in den primären und sekundären sensorischen Arealen (Green, St. Arnold, Rozhkov, Stroher und Garrot 2003; vgl. Walter 1998). Um eventuelle Verzerrungen bei der Datierung des bewußten Willensaktes durch die Versuchsperson abschätzen zu können, ließ Libet seine Versuchspersonen mit derselben Uhr leichte elektrische Hautreize datieren.
Das Ergebnis war für Libet selbst überraschend: Das Bereitschaftspotential setzte im Mittel etwa 550 Millisekunden vor der Ausführung der Bewegung ein; der Willensakt wurde jedoch, ebenfalls im Mittel, erst 200 Millisekunden vor der Ausführung der Bewegung bewusst und damit etwa 350 Millisekunden nach dem Auftreten des Bereitschaftspotentials.
Weiterlesen:
http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit/aktuell/libet.html
http://www.youtube.com/watch?v=XLFkprZl7-I
Quelle:
http://www.youtube.com/user/0ThouArtThat0
„Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen“, sagte
Einstein
. „Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will, und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will? Ein anderer Willensakt?“
Weiter:
http://www.wer-weiss-was.de/theme5/article1406146.html
Weitere Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille
http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/3b8c7074-a4c6-4d96-b1fa-492c84951a24.aspx
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,547074,00.html
http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/entscheidungen-der-un-bewusste-wille_aid_282185.html
http://www.uniklinik-freiburg.de/onlinemagazin/live/forschung/willen.html
http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/Doc~EA254CA339F5A415FAAC227B5C120F556~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,336006,00.html
http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id1378.htm
«
Last Edit: April 29, 2009, 09:06:22 pm by Boomer
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Boomer
Guest
Re: Haben wir einen freien Willen?
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Reply #1 on:
July 08, 2008, 03:27:02 pm »
Der freie Wille ist eine Illusion
Der Mensch denkt, das Hirn lenkt: Warum die Neuronen uns einen Tick voraus sind ...
Quote
[...]Roths Beleg: Ein OP-Saal in Montreal, Kanada, Mitte des letzten Jahrhunderts. Ein Neurochirurg namens Wilder Penfield beugt sich über den offenen Schädel eines Epilepsie-Patienten und stimuliert mit Elektroden dessen Hirn; der Patient ist bei vollem Bewusstsein. Was sich wie Science-Fiction anhört, ist für den Chirurgen fast eine Routine-Untersuchung – in den 1940er und 50er Jahren operiert er Hunderte von Epileptikern. Mit seinen Elektroden sucht er nach dem „epileptischen Herd“: dem krankhaften Gewebeklumpen, von dem die epileptischen Gewitter im Gehirn ihren Anfang nehmen.
Irgendwann während der OP des epileptischen Mannes trifft der Chirurg mit der Reizelektrode auch das Hirnzentrum, das den Arm steuert – und der Arm des Mannes bewegt sich. Kurios fällt die Antwort aus, als Penfield den Mann daraufhin fragt, warum er denn gerade seinen Arm bewegt habe: „Weil ich es wollte!“, sagt der Mann.[...]
Quelle & mehr:
http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/gesundheit/;art300,2188949
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Boomer
Guest
Re: Der freie Wille ist nur ein gutes Gefühl
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Reply #2 on:
October 30, 2008, 05:00:55 pm »
Quote
Hirnforschung und Philosophie
"Der freie Wille ist nur ein gutes Gefühl"
Das Weltbild des Hirnforschers Wolf Singer gefährdet die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens - warnt der Philosoph Jürgen Habermas. Denn: Singer hält unsere Vorstellung von einem freien Willen für eine Illusion. Im Gespräch mit sueddeutsche.de verteidigt der Naturwissenschaftler seine Position gegen die heftige Kritik des Philosophen.[...]
Quelle & zum Interview:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/113/74039/
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Last Edit: October 30, 2008, 07:10:44 pm by Boomer
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Boomer
Guest
Re: Freier Wille - eine Illusion?
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Reply #3 on:
October 30, 2008, 05:22:54 pm »
Quote
Hirnforschung
Freier Wille - eine Illusion?
[...]Das Ergebnis war verblüffend: Im Durchschnitt berichteten die Studienteilnehmer, dass sie die Entscheidung, welche Hand sie benutzten und welchen Knopf sie betätigten, innerhalb einer Sekunde vor dem Drücken gefällt hätten.
Doch schon mindestens sieben Sekunden vor der bewussten Entscheidung konnten die Wissenschaftler vorhersagen, mit welcher Hand der Proband den Knopf drücken würde.
Wie die Entscheidung ausfallen würde, schlossen die Forscher aus der Aktivität im frontopolaren Cortex - einer Region im vorderen Hirnbereich - und etwas zeitversetzt auch in einer Region im Scheitellappens. "Es scheint, als würde die unbewusste Entscheidung im Gehirn vorbereitet und dann eine Zeit lang dort vor sich hinschlummern, bevor sie den Weg ins Bewusstsein findet", sagt Haynes im Gespräch mit stern.de .[...]
Quelle & zum Artikel:
http://www.stern.de/wissenschaft/mensch/:Hirnforschung-Freier-Wille-Illusion/617174.html
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Last Edit: October 30, 2008, 07:11:01 pm by Boomer
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Boomer
Guest
Re: Haben wir einen freien Willen? (Einstein)
«
Reply #4 on:
November 03, 2008, 05:47:17 pm »
Albert Einstein - Die Unfreiheit des Willens
http://de.youtube.com/watch?v=sz_iVMBWZso
Quelle:
http://de.youtube.com/user/mia000001
Quote
Albert Einstein erklärte zur Frage der Willensfreiheit:
Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, dass ich irgend etwas will; aber was das mit Freiheit zu tun hat, kann ich überhaupt nicht verstehen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will, und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will? Ein anderer Willensakt?
Quelle:
http://de.spiritualwiki.org/Wiki/FreierWille
Quote
[...]Ich glaube nicht an die Freiheit des Willens. Schopenhauers Wort: 'Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will', begleitet mich in allen Lebenslagen und versöhnt mich mit den Handlungen der Menschen, auch wenn sie mir recht schmerzlich sind.
Diese Erkenntnis von der Unfreiheit des Willens schützt mich davor, mich selbst und die Mitmenschen als handelnde und urteilende Individuen allzu ernst zu nehmen und den guten Humor zu verlieren.
[...]
Quelle:
http://www.einstein-website.de/z_biography/glaubensbekenntnis.html
«
Last Edit: November 04, 2008, 12:15:54 pm by Boomer
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Boomer
Guest
Re: Haben wir einen freien Willen? (Nietzsche)
«
Reply #5 on:
November 03, 2008, 10:44:42 pm »
Interessante Sichtweise!
Quote
[...]Friedrich Nietzsche meint, dass es keinen freien Willen gibt.
Für ihn ist der freie Wille eine Erfindung der Theologen „das anrüchigste Theologen – Kunststück , das es gibt...“ um die Menschen von ihnen abhängig zu machen.
Sie schaffen sich damit eine Machtstellung, um über die Menschen zu richten. Die Menschen sind nur frei gedacht, um verurteilt und um bestraft werden zu können, „die Lehre vom Willen ist wesentlich erfunden zum Zweck der Strafe“(S.44 oben). Nietzsche bezeichnet sich als Immoralist der in die umgekehrte Bewegung eingetreten ist. Die Immoralisten versuchen den Schuld - und Strafbegriff aus der Welt wieder herauszunehmen. Die Theologen sind dabei die grössten Gegner, da sie fortfahren mit dem Begriff der „sittlichen Weltordnung“ die Unschuld des Werdens durch Strafe und Schuld zu durchseuchen.[...]
Quelle:
http://ema.bonn.de/religion/3bestrittenefreiheit/1.htm
Siehe auch:
Nichts jenseits des Nihilismus
«
Last Edit: November 09, 2008, 01:14:14 pm by Boomer
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Boomer
Guest
Re: Haben wir einen freien Willen? (Schopenhauer)
«
Reply #6 on:
November 04, 2008, 08:07:13 am »
Quote
[...]
SCHOPENHAUER folgert:
"Das ist gerade so, als wenn das Wasser spräche: "Ich kann hohe Wellen schlagen (ja! nämlich im Meer und Sturm), ich kann reissend hinabeilen (ja! nämlich im Bette des Stroms), ich kann schäumend und sprudelnd hinunterstürzen (ja! nämlich im Wasserfall), ich kann frei als Strahl in die Luft steigen (ja! nämlich im Springbrunnen), ich kann endlich gar verkochen und verschwinden (ja! nämlich bei 80'Wärme); thue jedoch von dem Allen nichts, sondern bleibe freiwillig, ruhig und klar im spiegelnden Teiche:" Wie das Wasser jenes Alles nur dann kann , wann die bestimmenden Ursachen zum Einen oder zum Anderen eintreten;
ebenso kann jener Mensch was er zu können wähnt, nicht anders, als unter der selben Bedingung. Bis die Ursachen eintreten, ist es ihm unmöglich: dann aber MUSS er es, so gut wie das Wasser, sobald es in die entsprechenden Umstände versetzt ist.
"
Als ich diese Zeilen einmal in einer Gesprächsrunde vorlas, versuchte einer der Anwesenden, ein Philosophie-Student höheren Semesters, spontan, SCHOPENHAUERs Determinismus dadurch zu widerlegen, dass er plötzlich - für alle überraschend - mit breitem Grinsen und unter Ausstoßung merkwürdigster Laute begann, wie wild geworden im Haarschopf seines Gegenübers zu kraulen. Er glaubte dadurch, seine Willensfreiheit dokumentieren zu können, sah aber recht schnell selber ein, dass dies ein tragischkomischer Trugschluss war.
Es war überdeutlich: Die entscheidende Kraft, die ihn dazu veranlasste, sich so "frei" zu gebärden, war die Tatsache, dass wir zuvor jenen Text besprachen, der die Freiheit des Menschen ad absurdum führen wollte.
[...]
Quelle & alles lesen:
http://www.humanist.de/wissenschaft/freiheit.htm
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Boomer
Guest
Re: Haben wir einen freien Willen?
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Reply #7 on:
November 04, 2008, 10:10:31 am »
Quote
[...]Die Überzeugung von Willensfreiheit basiert auf einem Selbstbild, das gewöhnlich als "Ich" bezeichnet wird. Dieses "Ich" wird als Zentrale im Gehirn verstanden, das eigenständig Entscheidungen trifft. Das "Ich" ist ein Bild, eine Vorstellung, die nur solange existiert, wie Gedanken aufsteigen.[...]
http://de.spiritualwiki.org/Wiki/FreierWille
Siehe auch:
Wo ist mein Ich?
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Last Edit: May 02, 2009, 09:47:12 pm by zoe
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Boomer
Guest
Der freie Wille – eine nützliche Illusion?
«
Reply #8 on:
November 11, 2008, 08:50:57 am »
Quote
Der freie Wille – eine nützliche Illusion?
Neurowissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass unsere Handlungen nicht durch bewusste Entscheidungen, sondern durch unbewusste Gehirnprozesse eingeleitet werden. Das Gehirn „entscheidet“ sich für eine Handlung, bevor der bewusste Wille dazu existiert. Diese These hat heftige Kontroversen ausgelöst. Nicht thematisiert wurde bislang jedoch die Frage: Hat es für uns Vorteile,
an einen freien Willen zu glauben
?
[...]
Der freie Wille mag also eine Illusion des Menschen sein, aber er scheint auch eine nützliche Illusion zu sein. Der Glaube daran, dass wir uns frei für Ehrlichkeit entscheiden können, hilft uns offenbar dabei, uns auch ehrlich zu verhalten.
Quelle & zum Artikel:
http://www.forschung-erleben.uni-mannheim.de/index.php?id=24&tx_ttnews%5Bcat%5D=33&tx_ttnews%5Btt_news%5D=39&tx_ttnews%5BbackPid%5D=39&cHash=a90d0e3e0f
-------
Quote
Sachbuch -
Mein Gehirn gehört immer noch mir
Der Streit zwischen Hirnforschung und Philosophie, ob wir einen freien Willen haben oder ob sich dieser aufgrund jüngster neurobiologischer Befunde als Illusion erwiesen hat, ist in letzter Zeit etwas abgeflaut; beigelegt ist er noch nicht. Die Anzeichen mehren sich, dass der Disput die Ebene der Polemik verlassen haben und in eine sachliche Auseinandersetzung übergegangen sein könnte. Ein solches Anzeichen ist jedenfalls das neue Buch von Michael Pauen und Gerhard Roth.
[...]
Hier haben sich ein naturwissenschaftlich informierter Philosoph und ein auch philosophisch ausgebildeter Neurobiologe zusammengesetzt, um eine "naturalistische Theorie der Willensfreiheit" zu skizzieren. Was die beiden anzubieten haben, klingt zunächst verblüffend: Freiheit und Determinismus, behaupten Pauen und Roth, sind gar nicht die Gegensätze, zu denen sie in der bisherigen Debatte stilisiert wurden, ja verblüffender noch: Sie bedingen sich gegenseitig. "Die Aufhebung von Determination" würde nicht zu einem "Gewinn an Freiheit", sondern zu einem "Mehr an Zufall" und einem Verlust der Kontrolle und damit der Freiheit führen.
[...]
Es ist Pauen und Roth zufolge daher gar nicht die Frage, "ob eine Handlung determiniert ist" - das ist sie immer -, "entscheidend ist vielmehr, wie sie determiniert ist"; denn frei ist sie nur, wenn sie sich auf die Wünsche und Präferenzen des Handelnden zurückführen lässt. Da alle psychischen Vorgänge, also auch Wünsche und Überzeugungen, neuronal realisiert sind, kommt es auch nicht darauf an, "ob eine Handlung auf physische Prozesse zurückzuführen ist", sondern darauf, "auf welche physischen Prozesse sie zurückgeführt werden kann".
[...]
Quelle & zum Aritkel:
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1618314_Mein-Gehirn-gehoert-immer-noch-mir.html?sid=7c183201e2419eee0942d14f1d629aff
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Last Edit: November 11, 2008, 10:11:53 am by Boomer
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Boomer
Guest
Bin ich immer 400 Millisekunden zu spät
«
Reply #9 on:
November 15, 2008, 10:34:31 am »
Quote
Als ich noch ganz klein war, hatte ich kein Mitspracherecht. Über mich wurde bestimmt. Meine Eltern entschieden für mich und versuchten mir ihr Weltbild nahe zu bringen. Ja, so war das – aber das meine ich nicht.
Ich war einfach immer zu spät. Schwups – bevor ich es auch nur bemerkt hatte, war die Windel voll. Wenn mich da niemand rausholte, fing es irgendwann zu weinen an – oder auch nicht. Nicht einmal darüber hatte ich die geringste Kontrolle. Oder anders gesagt: Ich wusste noch nicht, dass es mich gibt. Deshalb war mir nicht klar, dass es irgendwas zu kontrollieren gibt.
Alles war einfach so: Es war lecker oder zu kalt, es war gemütlich oder unbequem, schön bunt oder sehr dunkel, vergnüglich oder ganz jämmerlich. Kurz, alles war fraglos so, wie es war. Irgendwann fing es in mir an, mich selbst wahrzunehmen. Ich habe das nicht gelernt – es ist passiert. Mir wurde klar, dass es mich gibt. Es wurde mir möglich, mich aus der Unmittelbarkeit des Augenblicks in eine andere Realität zu denken. Plötzlich konnte ich mir und dem Geschehen gegenübertreten. Nach und nach wurde aus mir ein Stratege, jemand, der seine eigenen Ziele verfolgt. Fortan war mein oberstes Ziel, unabhängig zu werden …
Bin ich ich - oder ein anderer?
Heute kann ich mich so anschauen, als ob ich nicht ich selbst sondern ein anderer wäre. Das ist etwas, was jeder, der in der Erwachsenenwelt als halbwegs intelligent durchgehen will, beherrschen muss: Selbstkontrolle durch Reflektion.
Ich kann nicht mehr einfach wild los schreien, wenn mir etwas nicht passt. Heute brauche ich überzeugende Argumente. Statt mit Sandförmchen um mich zu werfen habe ich gelernt, mich der Sprache zu bedienen. Seither versuche ich, mich verständlich zu machen. Manchmal hilft mir die Sprache dabei, Konflikte zu lösen. Manchmal erschafft sie sie erst. Dann kann in mir der Gedanke aufkommen, dass ich besser geschwiegen hätte. – Aber wer ist es eigentlich, der all das denkt? Und warum habe ich es mir angewöhnt, viele Gedanken vor mir und anderen zu verheimlichen?
Dass ich nicht alles ausspreche, was da gedacht wird, hat mehrere Gründe: Ich will niemanden »grundlos« verletzen. Ich will nichts in die Welt setzen, was ich nicht auch so meine. Und vor allen Dingen will ich nicht für verrückt gehalten werden! Ich kann doch nicht alles aussprechen, was an Gedanken in mir auftaucht! Dann würde ich unentwegt vor mich hinbrabbeln und niemanden mehr zu Wort kommen lassen. – Alle würden sich von mir abwenden: »Mit dem ist nicht mehr zu reden!« Ich würde meine Arbeit verlieren und ganz dumm dastehen! – »Die Gedanken sind frei?!« Von wegen. Sie müssen kontrolliert werden.
Der Physiologe Benjamin Libet ist als einer der ersten der Frage nachgegangen, ob wir überhaupt in der Lage sind, eigene Willensakte auszuführen.
Heute sind sich die führenden Hirnforscher weitgehend darüber einig, dass uns unsere Schaltzentrale – das Gehirn – über seine Entscheidungen erst in Kenntnis setzt, wenn die dazu gehörigen Prozesse schon so gut wie abgeschlossen sind. Wir stehen ziemlich weit hinten im Glied und werden erst kurz vor Schluss eingeweiht…
Ich tue, ich denke, ich will
Zwischen der Einleitung einer Aktion auf der neuronalen Ebene und dem „bewussten Willensakt“ – ich denke, ich will – liegen etwa 400 Millisekunden. Diese kleine Ewigkeit ist uns das Gehirn voraus. Erst dann vermittelt es uns den Eindruck, dass wir selbst auf die Idee gekommen sind. Das geschieht, indem wir uns des Gedankens bewusst werden. Von diesem Augenblick an verstreichen noch einmal gut 200 Millisekunden, bis aus dem Gedanken eine Handlung werden kann. Dann tue ich (dies oder das) – oder lasse es bleiben. Aber haben wir überhaupt die Möglichkeit, über unser Tun und Lassen selbst zu entscheiden?
Die entscheidende Frage ist, ob wir sklavisch an den Nervenbahnen hängen und jeden Impuls, der stark genug ist, auch ausführen müssen. Dann wären wir vollkommen determiniert und hätten keine eigene Stimme und somit kein Vetorecht. – An diesem Punkt kommt zum Vorschein, was manche Leute übertriebener Weise den »freien Willen« nennen.
Keine Frage: Da ist eine Kontrollinstanz. Ich kann mich – wenn ich es kann! – kontrollieren. D.h. ich muss nicht jeden Gedanken zu Ende denken und in die Tat umsetzen. Sonst lande ich im Extremfall in einer forensischen Klinik. – Aber eines kann ich nicht: Den Gedanken rückgängig machen. Was sich mir zeigt, ist schon gedacht worden. Ich bin also nicht frei, zu denken, was ich will sondern gezwungen, mir alles anzuhören!
Gedanken ohne Ende
Für manche Gedanken übernehme ich nur allzu gerne die Autorschaft – für die großen, für die genialen. Auf die anderen bin ich nicht so wild und demzufolge weit weniger stolz. Ich bin allerdings weder genial noch voll daneben – und doch kann ich mich dafür halten. Kann ich das – oder muss ich das? – Da frage ich mal kurz in der Schaltzentrale nach!
Mein Gehirn meldet mir, dass ich das Drehbuch nicht kenne. Ich habe es nicht nur nicht geschrieben – angeblich weiß ich nicht einmal wer ich bin. Weiterhin wird mir mitgeteilt, dass ich vielleicht nur deshalb hier bin, um genau das herauszufinden. Das ist doch schon mal was! Ich bedanke mich für die Informationen und lege auf. – Denke ich. Dabei geht es weiter. – Ich kann nicht auflegen.
Ständig redet jemand mit mir – ungefragt. Er hat eine Flatrate und die vollen Zugriffsrechte auf das Gesamtsystem. Ich bin am anderen Ende der Leitung und muss mir das alles anhören. Tagsüber steht die Verbindung. Nachts legt mein Gegenüber immer Mal wieder auf. Dann fällt sogar ihm nichts mehr ein. Dann darf ich mich ausruhen und wirklich tief schlafen. Ich laufe sozusagen auf standby.
Habe ich als Zuhörer nicht auch die Möglichkeit aufzulegen? – Das will ich gleich klären – und frage nach. Die Zentrale teilt mir mit, dass ich mir denken könne, was ich will! Sie attestiert mir, dass ich unabhängig bin. – Toll, sage ich, vielen Dank für die Information. Aber das sei nicht, worum es mir geht. Ich würde gerne wissen, ob ich auflegen kann. Daraufhin wird mir mitgeteilt, dass die Frage deshalb keinen Sinn ergibt, weil es meine eigenen Gedanken sind! – »Meine?!«, frage ich entsetzt nach. »Das kann ich nicht glauben! Ich bin doch nur das ausführende Organ!«
[...]
Quelle & alles lesen:
http://www.daniel-herbst.de/daniel-herbst_012.htm
Siehe auch:
http://www.daniel-herbst.de/daniel-herbst_014.htm
«
Last Edit: November 15, 2008, 11:19:35 am by Boomer
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Boomer
Guest
Re: Haben wir einen freien Willen?
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Reply #10 on:
November 15, 2008, 11:56:20 am »
Quote
Sein:
Aber wie kann das „Böse“ „gut“ werden, wenn nicht durch eigenen Willen, durch eigenes Erkennen?
Daniel:
Einfach gesagt: Der Teufel ist ein zutiefst unbewusstes, zutiefst ignorantes Gespenst. Er kann nur durch Annahme überwunden werden. Wer seine Anerkennung durch grausame Taten erhält, ist schon in der Hölle angekommen. Das Böse kann nicht durch eigenen Willen gut werden, weil es der Wille des Bösen ist, etwas eigenes zu sein.
Die Liebe kennt das Böse nicht und will sich auch nicht auf Kosten von etwas „anderem“ durchsetzen. Aber alle angenommenen Identifikationen stehen der Liebe im Weg. Wo die wahre Liebe nicht erfahren wird, ist Leid. Die Phase der Identifikation ist ein Prozess, in dem wir dem Leid und dem Bösen begegnen müssen. Durch jede Identifikation soll uns klargemacht werden, wer wir nicht sind. Ist das erkannt, durchdringen wir uns selbst. Schließlich findet die Selbsterkenntnis ganz von alleine statt – dann ist da niemand mehr, der sich mit irgendetwas verwechseln könnte.
Aber wer das Gefühl, ohnmächtig zu sein, nicht ertragen kann, neigt dazu, den Einflüsterungen des Bösen zu folgen.
Darum heißt es im Vater unser: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“
Um es so einfach und unpathetisch wie möglich zu sagen:
Wo ein freier Wille ist, ist Polarität, ist Konflikt, ist Angst, Krieg und Habsucht.
Diese Erfahrung musste die Menschheit machen. Das gilt es zu erkennen. Solange es nicht erkannt wird, wird es weitergehen wie bisher. Es ist praktisch, Gott dafür anzuklagen. Doch Gott ist zunächst nichts weiter als ein Angebot. Das andere wird vom
Teufel gemacht. Er bietet dir den freien Willen an und sagt, dass du tun kannst, was dir von Vorteil ist – er hält den Nachteil des anderen also für legitim!
Statt uns über das Leben zu wundern und es dankbar anzunehmen, werden wir von klein auf gedrillt und auf den Existenzkampf vorbereitet. Unser Mantra heißt „Ich“ – dieser „Ich, ich, ich“- Singsang begleitet uns vom Aufwachen bis zum Schlafen- gehen. Da kann kein Gott was dran ändern…
Die Wahl zwischen Gut und Böse hat den Menschen krank gemacht.
Darum heißt es wiederum im Vaterunser: „Dein Wille geschehe.“
Quelle & ganzes Interview:
http://www.daniel-herbst.de/daniel-herbst_014.htm
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Boomer
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Re: Haben wir einen freien Willen?
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Reply #11 on:
November 17, 2008, 05:44:38 pm »
- Das Streitgespräch: Freier Wille - Nur eine Illusion?
- Der "Geist" - eine Illusion des Gehirns?
- WILLENSFREIHEIT UND DIE AUTONOMIE DER KULTURWISSENSCHAFTEN
Quelle:
http://neurowissenschaften.blogspot.com/2008/01/diskussion-freier-wille-und.html
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Anathea
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Re: Haben wir einen freien Willen? (Die Libet-Experimente)
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Reply #12 on:
February 17, 2009, 12:58:53 am »
Lesetipp: Rudolf Steiners Hauptwerk PHILOSOPHIE DER FREIHEIT:
http://www.anthroposophy.com/Steinerwerke/GA4-Inhalt.html
Das grundlegende Werk Steiners über das Erkennen und die menschliche Freiheit. Die Philosophie der Freiheit beweist, daß der Mensch der Freiheit -- des selbstbestimmten Denkens und Handelns -- fähig ist. Die Philosophie der Freiheit ist mehr als ein philosophisches Buch: sie ist ein Schulungsweg, der den Leser zur Erfahrung des lebendigen Denkens und zur Bewußtwerdung seines Geistes führt. Aus der Selbsterkenntnis des menschlichen Geistes geht eine Erneuerung des Handelns und damit der Welt hervor.
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zoe
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Re: Haben wir einen freien Willen? (Die Libet-Experimente)
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Reply #13 on:
May 07, 2009, 03:41:38 pm »
der "freie" Wille und unsere Entscheidungen
Hirnforschung am Max Planck Institut Leipzig - Neurophysiker John Dylan Haynes
http://www.youtube.com/watch?v=GYjvyQ8mVm8
Quote
...
John-Dylan Haynes, Neurophysiker:
Wir haben entdeckt, dass wenn jemand sich entschlossen hatte, eine bestimmte Rechenaufgabe durchzuführen, aber noch nicht die Zahlen gesehen hat, konnten wir schon aus der Hirnaktivität vorhersagen, welche Aufgabe die Person durchführen würde. Das heisst wir haben so etwas wie einen verdeckten Plan auslesen können.
Der Hirnforscher kannte also die Entscheidung seiner Versuchsperson früher als sie selbst.
Und zwar nicht nur Millisekunden früher wie Benjamin Libet, sondern bis zu 10 Sekunden vorher kann Haynes sagen, wie sich ein Mensch entscheiden wird. [...]
Quelle & weiter:
http://www.3sat.de/hitec/magazin/120664/index.html
Siehe auch:
http://www.3sat.de/neues/sendungen/magazin/131872/index.html
http://www.3sat.de/neues/sendungen/magazin/131874/index.html
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Last Edit: May 07, 2009, 04:20:59 pm by zoe
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zoe
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Re: Haben wir einen freien Willen? (Die Libet-Experimente)
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Reply #14 on:
July 14, 2009, 08:04:06 am »
Quote
Aushebelung der Willensfreiheit
Ein Wissenschaftsthriller entwickelt ein plausibles Szenario für den fremdgesteuerten Willen
Das Strafrecht setzt normalerweise voraus, dass die Menschen einen freien Willen besitzen, also die Möglichkeiten besitzen, sich für oder zumindest gegen etwas zu entscheiden, weswegen sie auch für die Folgen ihrer Handlungen zur Verantwortung gezogen werden können. Das ist zwar schon ein altes religiöses, philosophisches und wissenschaftliches Thema, das aber hierzulande wieder größere Wellen geschlagen hat, nachdem einige Hirnforscher aufgrund neuer Erkenntnisse mit bildgebenden Verfahren behauptet hatten, dass Willensfreiheit eine Illusion sei.
Hirnforscher Wolf Singer erklärte in diesem Sinne die neurobiologische Sichtweise, die "der trivialen Erkenntnis Rechnung (trüge), dass eine Person tat, was sie tat, weil sie im fraglichen Augenblick nicht anders konnte - denn sonst hätte sie anders gehandelt." Für die Beurteilung des Verhaltens habe dies erhebliche Folgen, was er so ausführt: [...]
Quelle & weiter:
http://www.heise.de/tp/blogs/6/141868
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