Presseschau zu Bushs Europa-Besuch: «Der Machtwechsel ist überfällig»Die deutsche Presse nutzt die letzte Europatour von George W. Bush für einen vorgezogenen Rückblick auf seine Amtszeit. Fast alle sind froh, dass bald der US-Präsident geht, der «das Ansehen Amerikas ruiniert» habe.
«Berliner Zeitung»: Bush hat Werte der USA diskreditiertGeorge W. Bush nimmt Abschied von Europa, und kaum einer weint ihm eine Träne nach. Selten war ein amerikanischer Präsident hierzulande weniger beliebt. Selten auch hat einer die Arroganz der Macht überzeugender verkörpert als Bush.
Unvergessen, wie er die Vereinten Nationen demütigte, wie er mit einer Koalition der Willigen in den Krieg gegen Irak zog, wie seine engsten Mitarbeiter Franzosen und Deutsche als Weicheier hinstellten. Werte, deretwegen die Vereinigten Staaten weltweit Ansehen genossen, hat Bush diskreditiert.
«Nordkurier»: Egal wer nach ihm kommt, es kann nur besser werden
Gestern schwebte er im brandenburgischen Meseberg ein und wirbelte dabei noch mal Staub auf, aber nicht mit kernigen Glaubenssätzen gegen das vermeintlich Böse überall auf der Welt, nein, diesmal war es der ausgedörrte märkische Boden, der jede heftigere Bewegung mit Staubwolken quittierte. Ausgedörrt irgendwie passt das auch zu Bush.
Allein die außenpolitische Bilanz seiner nun fast achtjährigen Dienstzeit offenbart, dass ein Machtwechsel in Washington überfällig geworden ist. Dabei ist es inzwischen schon zweitrangig, ob sein Nachfolger Barack Obama oder John McCain heißen wird. Bush ist nicht mehr von Belang, alle warten darauf, wer und was nach ihm kommen wird. Und Recht haben jene, die prophezeien, dass es nur besser werden kann.
«Westdeutsche Allgemeine Zeitung»: USA nicht mit Bush-Regierung gleichsetzenBushs Hinterlassenschaft wird darin bestehen, aus seinen Fehlern zu lernen. Manche Lehren erschließen sich auf den ersten Blick, andere erfordern eine gewissenhafte Selbstprüfung. In Deutschland hat sich ein Antiamerikanismus manifestiert, der eine Differenzierung zwischen dieser US-Regierung und den USA nahezu aufgehoben hat.
Von diesem Antiamerikanismus haben viele Bürger ihr Verständnis von Verantwortung für den Frieden unbewusst prägen lassen. Militäreinsätze der Bundeswehr wie in Afghanistan verlieren Akzeptanz hauptsächlich unter dem Eindruck der rücksichtslosen Kriegsführung dieser US-Regierung. Souveräne Entscheidungen aber beruhen darauf, alle Argumente frei zu wägen, ohne dass irgendein Bush sie vorsortiert hat.
«Rheinische Post»: EU-Besuch als Urlaubstour
Das Schicksal der lahmen Ente, das jeden US-Präsidenten in seinem vierten oder achten Amtsjahr trifft - George W. Bush hat es noch früher ereilt als die meisten seiner Vorgänger. Mühsam quält er sich zum Zielstrich, ein Mann, von dem niemand mehr einen furiosen Endspurt erwartet.
Diese Woche tut Bush das, was betuchte Amerikaner im Sommer, wenn die schwüle Hitze daheim unerträglich wird, gerne tun. Er jettet nach Slowenien, Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. Eine rauschende Abschiedstournee, das zeigte sich gestern in Berlin, wird es nicht, dazu hofft Europa zu intensiv auf die Zeit danach, schielt schon zu sehr auf seinen Nachfolger.
«Neue Osnabrücker Zeitung»: Politische Inhalte statt NachrufWenn George Bush je auf Goodwill-Tour war, dann jetzt in Europa. Und doch machen selbst seine Abschiedsbesuche bei der EU und in Deutschland sichtbar, dass guter Wille beileibe keine gute Politik garantiert.
Ein Beispiel: Zu Recht wettert Bush im Chor mit den Europäern gegen die Atompolitik des Iran. Fast gleichzeitig kündigt aber sein Verteidigungsminister Robert Gates die umfassende Modernisierung des US-Nukleararsenals an. Dabei liegt es doch in der Natur von üblen Regimes wie dem iranischen, dass ausgerechnet sie sich vom schlechten Beispiel - das neben den USA auch China und Russland geben - besonders leiten lassen.
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