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Author Topic: TTIP und TAFTA - Transatlantic Trade and Investment Partnership/Freihandelszone  (Read 7915 times)
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harakiri
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« Reply #110 on: October 06, 2014, 03:34:02 AM »

„Wir wären ja blöd“- meint Kommissar Oettinger

CETA, TiSA, TTIP: Live and let die (Lebt und lasst Gemeinden sterben)

05. Oktober 2014 „Wir wären ja blöd, wenn wir ein Abkommen machen würden, denen alle 28 Staaten zustimmen müssten“, sagt EU-Kommissar Günther Oettinger. Auf der ersten Seite des Vertragsentwurfs zu TiSA, dem Abkommen zum Handel von Dienstleistungen, steht, dass es erst fünf Jahre nach Vertragsschluss veröffentlicht wird. Die EU-Kommission drängt auf eine schnelle Ratifizierung von CETA, dem Handelsabkommen mit Kanada, möglichst ohne Beteiligung der Parlamente. Die Verhandlungen waren genauso geheim wie die zum TTIP, dem Handelsabkommen mit den USA.

Was können die Folgen für unsere Städte und Gemeinden sein? Ein paar Beispiele:


•    Wer eine Volkshochschule subventioniert, muss ausländische Bildungsanbieter ebenso bezuschussen.
•    Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken müssen Finanzkonzernen zum Kauf angeboten werden;
      eine Ausrichtung an der Gemeinnützigkeit ist Vertragsbruch.
•    Wo Feuerwehr, Rettungswesen, Gesundheitsversorgung, Wasser- und Stadtwerke, Justizvollzug, Schwimmbäder,
      Theater, Müllentsorgung oder Recyclingsysteme als kommunale Dienstleistung betrieben werden,
      kann eine Privatisierung eingeklagt werden.
•    Privatunternehmen dürfen nicht mehr rekommunalisiert werden
      (wie es die Berliner 2011 in einem Referendum für ihre Wasserbetriebe gefordert haben);
      wenn die Privatunternehmen sich nicht bewähren, dürfen nur andere private Wettbewerber eingeladen werden.
•    Fracking kann erzwungen werden, selbst dann, wenn es Mineralquellen oder die Brunnen von Brauereien durch
      ins Erdreich gepresste Chemikalien irreversibel verunreinigt.
•    Verbesserungen in Tierschutz, Umweltgesetzgebung oder der Kennzeichnung von genmanipulierten oder
      mit Chlor behandelten Nahrungsmitteln sind als „Handelshemmnisse“ anfechtbar.
•    Wenn steuerliche Regelungen oder kommunale Gebühren einen Investor hart treffen, kann er dagegen klagen.

Am 4. Juni 2014 hat Präsident Obama in der Militärakademie West Point erklärt, dass der Job von privaten lukrativen Söldnerarmeen jetzt durch „Umsturz-Hedge-Fonds“ übernommen wird, die auf Renditebasis arbeiten. Die Regelwerke von CETA, TiSA und TTIP gelten auch rückwirkend für bereits getätigte Finanzinvestitionen. Die Mehrheit fast aller deutschen Dax-Konzerne ist in ausländischer Hand. Die besonders klagefreudigen US-Unternehmen haben 1,3 Billionen Euro in der EU investiert. Das Investitionsvolumen der Vermögensverwaltung BlackRock ist das 10fache des deutschen Bundeshaushalts.

Ein US-Unternehmen, das seine „legitimen Gewinnerwartungen“ beeinträchtig sieht, kann eine Gemeinde, eine Stadt, ein Bundesland oder einen Staat verklagen. Beide Seiten benennen dann einen beim International Centre for Settlement of Investment Disputes (ICSID) in Washington D. C. zugelassenen Anwalt als Richter. Wenn sie sich auf den dritten (vorsitzenden) Richter nicht einigen können, ernennt ihn der Chef der Weltbank, der immer Amerikaner ist. Das Gericht entscheidet mit Mehrheit; eine Revision gegen die Entscheidung ist nicht möglich.
Gesetze benachteiligen immer diejenigen, die bei ihrer Verfassung nicht dabei waren. Jedem EU-Beamten, der sich mit Finanzthemen beschäftigt, stehen vier Lobbyisten gegenüber. Die Finanzindustrie zahlt ihnen Gehälter von jährlich mindestens 123 Millionen Euro. Auf US-Seite kamen die Verhandlungsführer des TTIP direkt aus den Banken und erhielten von diesen Boni in Millionenhöhe – wohl als Vorschuss auf die Verhandlungsergebnisse: Michael Froman 6,25 Millionen von der Citibank und Stefan Selig 9 Millionen von der Bank of America.

Diese Schiedsgerichte sind eine Waffe des Finanzsektors gegen die Selbstverwaltung unserer Gemeinden. Sie können auch die Existenz unserer mittelständischen Wirtschaft bedrohen, die nicht die Möglichkeit hat, in Washington D. C. auf Augenhöhe mitzuspielen. Vielen bleibt vielleicht nur der Ausweg, sich von angelsächsischen Investoren übernehmen zu lassen. Selbst ein Land wie Argentinien mit 25 Millionen Einwohnern wird von einem einzigen Hedgefonds-Manager, Paul Elliott Singer, bedroht. Dabei geht es für Herrn Singer um die Verdreißigfachung seines Einsatzes und für Argentinien um insgesamt 120 Milliarden Dollar – also um die Existenz des Staates.

Wird ein Parlament oder ein Gemeinderat sich noch trauen, etwas zu beschließen, wenn eine Klage in Washington befürchten werden muss, die den Haushalt auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte belastet? Fünf amerikanische Hedgefondsmanager haben in 2013 ein persönliches Einkommen in Milliardenhöhe bezogen, der Spitzenreiter David Tepper kalendertäglich (!) zehn Millionen Dollar. Gegen angelsächsische Anwälte, die von diesen Herren engagiert werden, haben unsere mittelständischen Unternehmer oder die Bürgermeister unserer Städte und Gemeinden keine Chance.
Dabei wäre die EU-Kommission gar nicht befugt gewesen, diese Abkommen auszuhandeln. Die Handelspolitik, für die sie zuständig ist, betrifft nur ausländische Direktinvestitionen, nicht aber Finanzdienstleistungen, die in die Verträge einbezogen worden sind.
Wenn wir uns nicht wehren, lassen wir zu, dass wir aus Steuergeldern für die Gewinnerwartungen von Privatpersonen aufkommen müssen, die weitaus mächtiger sind als Städte oder Staaten.

Der totale Markt versetzt der Demokratie den Todesstoß.

Es gibt bereits genügend Beispiele, wie das funktioniert:

    Ein Investor hat mit einem Tourismusprojekt in Libyen 5 Millionen Dollar verloren.
    Ein Schiedsgericht des Centre for Settlement of Investment Disputs in Washington D. C.
    hat ihm 935 Millionen Schadenersatz plus Zinsen zugesprochen.
    Beim Atomausstieg sind deutsche Energiekonzerne auf deutsche Gerichte angewiesen.
    Vattenfall aber konnte Deutschland in Washington auf 3,5 Milliarden Euro Schadenersatz verklagen,
    Philip Morris Uruguay auf Aufhebung seines Antirauchergesetzes,
    Lone Pine die Provinz Quebec auf Freigabe der Schiefergasförderung,
    Eli Lilly Kanada auf Aufhebung eines Gerichtsurteils,
    Impreglio Argentinien auf private Wasserversorgung,
    Achimea die Slowakei auf Aufhebung der Krankenversicherungsreform.

Textquelle: www.business-reframing.de/wir-waeren-ja-bloed-meint-kommissar-oettinger/

...http://quer-denken.tv/index.php/873-wir-waeren-ja-bloed
« Last Edit: October 06, 2014, 03:36:10 AM by harakiri » Logged

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« Reply #110 on: October 06, 2014, 03:34:02 AM »

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« Reply #111 on: October 18, 2014, 05:14:23 PM »

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TISA-Taser
Trotz aller Geheimhaltungsversuche, trotz des Verschweigens durch die Medien, trotz aller ersatzweise entzündeten Nebelkerzen hat zumindest ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung mitbekommen, dass unter dem Namen TTIP ein nie dagewesener ökonomischer Angriff sowohl auf den Sozialstaat einerseits als auch auf unsere bisherige Form marktwirtschaftlichen Wirtschaftens andererseits bevorsteht. Dabei geht es keineswegs um das - wenn überhaupt einmal - zitierte Chlorhühnchen, sondern es geht um (...)

http://chaosmitsystem.blogspot.de/2014/10/tisa-taser.html
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« Reply #111 on: October 18, 2014, 05:14:23 PM »

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