Das Vierte Reich, die EU – und Griechenland 29.02.2012
Thomas Mehner
Die alten Ängste gehen wieder um: Deutschland wird zu stark. Die Briten sprechen in letzter Zeit des Öfteren von einem Vierten Reich, wenn es um Deutschlands Rolle in der EU geht, und nun stimmen auch die Griechen in dieses Konzert ein: Einer Presseinformation zufolge halten 77 Prozent der Befragten die Aussage, dass Deutschland auf dem Weg ins Vierte Reich sei, für richtig. Sind die Briten und Griechen Verschwörungstheoretiker? Oder stimmt das, was sie sagen?
Für manche Zeitgenossen in Europa gibt es nichts schlimmeres als eine starke deutsche Zentralmacht, wobei es genau genommen keinerlei Rolle spielt, ob diese auf das deutsche Territorium beschränkt ist oder sich an die Spitze der EU-Bewegung setzt.
Zu bedenken ist allerdings: In der derzeitigen Situation kann Deutschland kein Viertes Reich aufbauen, da das Land seit dem 8. Mai 1945 nie wieder voll souverän gewesen ist. Wer das nicht glauben möchte, dem sei die Einlassung unseres Finanzministers Schäuble empfohlen, der frisch, fröhlich, frei genau das vor Kurzem thematisierte. Leider unterließ es der Herr, zu erwähnen, auf welchen Gebieten die Nichtsouveränität besteht und ob die SHAEF-Gesetze weiter Gültigkeit haben. Falls sie Gültigkeit besitzen (und sei es nur in Teilen), dann sind die sogenannten »Verschwörungstheorien«, die die BRD als eine GmbH, Nichtregierungsorganisation oder eine Verwaltungsorganisation der Alliierten bezeichnen, wohl sehr ernst zu nehmen. Wir sind dann aber keine Bürger, sondern nur Personal. (Und als solches können wir uns abmelden.)
Schäubles Aussage lässt klar erkennen, dass Deutschland unter Kontrolle steht, sodass das Vierte Reich hier kaum Fuß fassen kann. Es sei denn, die USA würden dem zustimmen. Rein theoretisch wäre das natürlich denkbar, da sich die Vereinigten Staaten selbst auf einem Weg in den Faschismus befinden. Allerdings bleibt das Ganze Theorie, denn die Amerikaner sind viel zu sehr von sich und ihrer Macht eingenommen, als dass sie den alten Feind wiedererstarken lassen würden. Zudem erlitten sie ein schweres Trauma, als sie erfahren mussten, dass bei Kriegsende die Gefahr bestand, durch die von den Deutschen entwickelten Atombomben vernichtet zu werden. Diese Erfahrung, die die Amerikaner bis heute nicht thematisierten, die sie aber tief ins Mark traf, bestimmt ihr Handeln bis heute.
Nun darf man allerdings nicht vergessen, dass man, um ein sogenanntes Viertes Reich zu installieren, Deutschland als Nation gar nicht benötigt, sondern man kann ein derartiges Vorhaben – wieder theoretisch gedacht – auch anders bewerkstelligen, indem man Europa zu dem macht, was dem Ganzen zugrunde liegt. Denjenigen, die sich jetzt verwundert die Augen reiben, sei empfohlen, sich einmal mit Hitlers Auffassungen zu einem vereinten Europa auseinanderzusetzen.
Das Gerede um ein Viertes Reich in Form des erstarkenden Deutschlands ist durch den Überbau EU ad absurdum geführt. Die derzeitigen Tendenzen belegen zwar, dass da durchaus eine Diktatur heranwächst, aber diese in Richtung einer (natürlich den modernen Erfordernissen angepassten) Super-Sowjetunion läuft. Was Briten und Griechen da also von sich geben, sind keine durchdachten Äußerungen, sondern Verschwörungstheorien und reflexartige Reaktionen, die aus der Sicht auf den Zweiten Weltkrieg resultieren.
....zu den Griechen. Dass wir Deutsche in deren Augen »Nationalsozialisten« sind, verwundert nicht. Sie haben die deutsche Besatzung nicht vergessen, zudem handelt es sich dabei – und da können wir noch etwas lernen – um ein stolzes Volk, das auf die älteste Demokratie zurückblickt. Es war zudem nicht die Idee der Griechen, eine sich EU nennende Superbürokratie aufzubauen, sondern sie nutzten seinerzeit nur die Gunst der Stunde. Ich meine, die Kirche muss im Dorf bleiben: Die EU-Bürokraten waren es, die den Griechen Geld ins Land pumpten, die Kredite anbahnten und vergeben ließen und die sie von diesem Geldstrom abhängig machten
Nicht zu vergessen ist, dass der ganze Affenzirkus, der derzeit um die sogenannte »Rettung« Griechenlands aufgeführt wird, natürlich nicht dem griechischen Volk dient, sondern lediglich der Befriedigung der Gläubigerinteressen. Dem Kapital sind die Menschen egal; ist der Profit hoch genug, geht es über Leichen. Die Otto-Normal-Griechen leiden massiv unter den Sparmaßnahmen.
Während sich Europa zum Hexenkessel entwickelt (man siehe unter anderem die Proteste der spanischen Jugend!), sitzt der deutsche Michel hinter seinem Ofen und schaut weiter solche Hochintelligenz-Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar oder Deutschlands next Topmodel. Oder aber lauscht ehrfürchtig und ergriffen den Informationen zu den Naziterroristen, ohne zu begreifen, dass diese Kampagne genau zu dem Moment losgetreten wurde, als es darum ging, deutsche Souveränitätsrechte an die EU zu übergeben
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/thomas-mehner/das-vierte-reich-die-eu-und-griechenland.html