Wer ist Kofi Annan wirklich? Der UN-Friedensvermittler, handverlesen von der CIA Thierry Meyssan 11.04.2012
Obwohl Kofi Annan bei den Vereinten Nationen einen exzellenten Ruf hinsichtlich seines effektiven Managements genießt, geriet er wegen seiner politischen Schwächen scharf in die Kritik. Als UN-Generalsekretär trachtete er danach, die Weltorganisation an die unipolare Welt und die weltweite Ausdehnung der amerikanischen Vorherrschaft anzupassen. Er stellte die weltanschaulichen Grundlagen der Vereinten Nationen in Frage und schwächte ihre Fähigkeit, Konflikte zu verhindern. Dennoch wurde gerade er jetzt mit der Beilegung der Syrienkrise beauftragt.
Annans wichtigste Initiative nannte sich »Global Compact«, die Mobilisierung der Zivilgesellschaft für eine bessere Welt. Auf freiwilliger Grundlage sollten Geschäftsleute und Arbeitgeber, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen zusammengebracht werden, um über die Achtung der Menschenrechte, Arbeitsgesetzgebung und die Umwelt zu diskutieren und Leitlinien zu formulieren.
Tatsächlich erreichte Global Compact die angestrebte praktische Wirkung nicht. Im Gegenteil verzerrte es den Grundcharakter der Vereinten Nationen dadurch, dass es den Einfluss der Nationalstaaten herunterspielte und die Rolle der internationalen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) überbewertete. Diese NGOs sind nur dem Namen nach »Nichtregierung…« und werden von den Großmächten verdeckt finanziert. Indem Annan Lobbygruppen als Partner der Vereinten Nationen förderte, entfernte er sich und die Vereinten Nationen immer mehr vom Geist der in San Francisco beschlossenen UN-Charta. Es geht dann nicht mehr darum, die Menschheit vor der Geißel des Krieges zu retten, indem man die völkerrechtliche Gleichheit aller Nationen, ob klein oder groß, anerkennt, sondern darum, die Lage der Menschen durch die Förderung der Annäherung und des Ausgleichs zwischen privaten Interessen zu verbessern.
Global Compact weicht daher von der fast allgemein akzeptierten vernunftgemäßen Einsicht ab, dass das Völkerrecht dem Gemeinwohl dient. Die neue Denkstruktur wird eigentlich nur von den Anglo-Amerikanern vertreten, die der Auffassung sind, das Gemeinwohl sei eine Chimäre und eine gute Regierungsführung bestehe darin, die größtmögliche Anzahl von Sonderinteressen unter einen Hut zu bringen. Letztlich bewirkt Global Compact das gleiche wie die Wohltätigkeitsgalas in den USA: Man verschafft sich selbst ein gutes Gewissen, indem man unter großer Beachtung der Medien Initiativen vorantreibt, die strukturelle Ungerechtigkeiten festschreiben.
Vor diesem Hintergrund bilden die beiden Amtszeiten Kofi Annans (1997-2006) die Wirklichkeit dieses historischen Zeitraums ab, in dem eine unipolare Welt der Globalisierung der amerikanischen Vorherrschaft zu Lasten der Rolle der Nationalstaaten und der Bevölkerungen, die diese jeweils repräsentieren, unterworfen war.
Diese Strategie steht im Einklang mit jenen Einrichtungen, die Washington in den 1980er Jahren als Werkzeuge seiner Politik ins Leben rief. Dazu gehört zum Beispiel das National Endowment für Democracy (NED, deutsch: »Nationale Stiftung für Demokratie«), das entgegen seiner Bezeichnung die subversive Tätigkeit der CIA fortsetzen soll, indem es demokratische Prozesse oder Prozesse der Demokratisierung manipuliert.[3] Die NED unterstützt – legalerweise oder nicht – Arbeitgeberorganisationen, Gewerkschaften und Vereinigungen aller Art. Als Gegenleistung beteiligen sich die Empfänger des Geldsegens an Global Compact und verzerren so die Positionen der Nationalstaaten, denen die finanziellen Möglichkeiten fehlen, ihre eigenen Lobbygruppen zu finanzieren. Seit die unipolare Welt über ihren eigenen Weltpolizisten – die USA – verfügt, gehört Frieden nicht länger zu den Belangen der Vereinten Nationen; und so kann sich die Weltorganisation stattdessen darauf konzentrieren, sich aller Formen des Protestes anzunehmen, um so die weltweite Unordnung zu bestätigen und damit die fortschreitende weltweite Ausdehnung der amerikanischen Vorherrschaft zu rechtfertigen.
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