Die Krise in Argentinien: Hunger nach dem Zusammenbruch – und was wir daraus lernen könnenEs ist ein Irrtum anzunehmen, dass bei einem Zusammenbruch der Wirtschaft und des Geldsystems das Leben vollkommen stehenbleibt, und überhaupt nichts mehr zu Essen erhältlich ist. Die landwirtschaftlichen Betriebe versuchen natürlich, weiter zu produzieren, und die Nahrungsmittel lassen sich auch meistens nicht lange lagern und müssen verkauft werden – allerdings geschieht das zu wesentlich höheren Preisen in einem Umfeld, was genau diese Preise nicht mehr bezahlen kann. Angenommen, in Deutschland würde das Warenangebot deutlich kleiner, die Preise aber wesentlich höher. Was würden sich die Arbeitslosen und Hartz IV-Empfänger noch leisten können? Obwohl die Nahrungsmittel sogar vorhanden sind und in den Geschäften liegen, kann man sich dann kaum noch leisten. Es gab auch in Argentinien Restaurants und Geschäfte genug, die nach der ersten Zeit der Unruhen wieder geöffnet hatten, aber nur diejenigen, die das Glück hatten, über genügend Mittel zu verfügen, konnten dort einkaufen und essen gehen. Türsteher und Sicherheitskräfte sorgten dafür, dass die Kunden und Gäste von den Hungrigen und Zornigen draußen unbelästigt blieben.
In Argentinien zeigte sich deutlich, dass diejenigen, die sich ausreichend Vorräte zurückgelegt hatten, in der Lage waren, über ihr weiteres Vorgehen nachzudenken und zu sehen, was gebraucht wird, wo sich Nachfragen und Möglichkeiten ergaben. Ihre Gedanken drehten sich nicht nur um die Not, irgendwo etwas Essbares zu ergattern. Ihr Kopf war frei, um ein neues Aus- und Einkommen aufzubauen und Chancen überhaupt zu sehen und wahrnehmen zu können. Sie gründeten kleine Transportfirmen, hatten Dinge, die sie tauschen und verkaufen konnten und brachten Waren, die an einem Ort leicht zu bekommen waren dorthin, wo es Mangel gab, um da wiederum Güter zu erstehen, die woanders auch wieder mehr einbrachten.
Ein Garten mit Gemüse, Beerensträuchern, Obstbäumen, ein kleiner Kartoffelacker und ein paar Hühner waren eine hervorragende Sache. Um Fleisch zu haben, sind Stallkaninchen unschlagbar. Sie vermehren sich schnell, fressen fast alles an Grünzeug, was man überall am Wegesrand einsammeln und nach Hause bringen kann und erfordern kaum Arbeit. Hühner sind ebenfalls sehr bescheiden in den Anforderungen und Eier sind ein sehr wertvoller Teil des täglichen Speiseplans.
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