Therapie im SattelSie sind nicht nur schön und intelligent, Pferde sind in vielerlei Hinsicht auch heilsam. Ein Bericht über die therapeutische Arbeit mit Pferden.
Von einer tiefen Verzweiflung getrieben, entschied der 14-jährige David eines Nachts, sein Leben zu beenden. Zwei Jahre lang hatte er an einer psychischen Krankheit gelitten und dabei seinen Lebenswillen verloren. Nun wollte er noch zum Korral und sich von seinem Freund, dem Hengst Trianero, verabschieden. Er kletterte über den Zaun und erzählte dem Pferd seinen Kummer, dann öffnete er seine Hand und zeigte ihm die Glasscherbe. Trianero stiess die Hand des Jungen mit seinem Kopf an und die scharfkantige Scherbe fiel zu Boden.
David brach in Tränen aus. Er blieb schliesslich bei dem Pferd und weinte sich in den Schlaf. Wie ein Wächter stand Trianero bei ihm, bis die Morgendämmerung anbrach. Für David dämmerte nicht nur ein neuer Tag, es war der Beginn eines neuen Lebens. Als ihn Adele von Rüst McCormick und Marlena Deborah McCormick, die Psychologinnen des Reittherapiezentrums «Three Eagles Ranch» in Calistoga, Kalifornien, am Morgen im Korral fanden, waren sie zutiefst erstaunt.
Die schweigende, urteilsfreie und nicht manipulative Anwesenheit von Trianero hatte David ermöglicht, sich zu öffnen. Ungeachtet der bewussten oder unbewussten Absicht des Pferdes, fühlte sich der Junge von dessen Gegenwart auf eine Weise getragen, wie es ihm mit Menschen wahrscheinlich nicht möglich war. Pferde scheinen zu wissen, was Menschen wirklich brauchen. Sie kümmern sich nicht um Äusserlichkeiten und reagieren stattdessen auf den Wesenskern des Menschen.
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