ÜberbevölkerungUnter dem Begriff der Überbevölkerung oder der Übervölkerung wird in einigen sozial- und volkswirtschaftlichen Theorien der Zustand verstanden, wenn die Lebensbedingungen für eine bestimmte Menge der Bevölkerung zu deren Reproduktion nicht mehr ausreichen und die Tragfähigkeit des Lebensraums überschritten wird. Der Begriff wird in den Sozialwissenschaften verwendet und beschreibt eines der zentralen Themen der Demografie und der Bevölkerungsgeografie.
Anhänger der Bevölkerungstheorie betrachten den
Zustand der Überbevölkerung als bereits eingetreten und als eines der zentralen Probleme der Menschheit. Durch das explosionsartige Wachstum der Weltbevölkerung (mit ca. 6,75 Milliarden Menschen im Jahr 2008) seien einige Regionen – vorwiegend in Entwicklungsländern in Afrika und Asien – überbevölkert oder litten unter starkem Bevölkerungsdruck. Als F
olgen würden Hunger, Armut, Mangelerscheinungen, ökologische Probleme, die schnelle Ausbreitung von Epidemien und wirtschaftliche Stagnation auftreten.Da die Theorie der Überbevölkerung sowohl begrifflich als auch inhaltlich nahelegt, es gäbe zu viele Menschen, wird sie von einigen als menschenverachtend bewertet. Es wird bezweifelt, dass die Tragfähigkeit der Erde bereits erschöpft sei; vielmehr seien
Hunger, Arbeitslosigkeit und Artensterben in der Welt durch politische Fehlleistungen und eine schlechte Verteilung der insgesamt ausreichenden Ressourcen verschuldet.Auch wurde oft als Kritik angeführt, dass nicht eine hohe Geburtenrate zu Armut führe, sondern
Armut zu einer hohen Geburtenrate. So hätten viele Frauen in Entwicklungsländern aufgrund ihrer Armut keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Umfragen zeigen, dass viele Schwangerschaften ungeplant sind und die Frauen in den Entwicklungsländern sich weniger Kinder wünschen, als sie tatsächlich zur Welt bringen. Ein weiterer Grund dafür könnte sein, dass in armen Weltregionen die
einzige Möglichkeit der Altersvorsorge darin besteht, viele Kinder zu bekommen. Zum anderen sinkt in wohlhabenderen Gebieten der Einfluss traditioneller Lebensbilder – auch dies trägt zum Rückgang der Geburtenrate bei.
Des Weiteren gibt es auch Zweifel an der Herangehensweise an das Thema. So würden in unzulässiger Weise Gesetzmäßigkeiten aus der Biologie auf den gesellschaftlichen Bereich übertragen. In diesem Sinne diene der Begriff der Überbevölkerung der Verschleierung von vorrangig verteilungsbedingten Problemen. Manchmal wird das Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern fälschlicherweise als einer der Hauptgründe für die globalen Umweltprobleme angeführt. Tatsache ist aber, dass
die globalen Umwelt- und Verteilungsprobleme viel stärker durch den Rohstoffverbrauch und Schadstoffausstoß in den Industrieländern verursacht werden, deren Bevölkerung kaum mehr wächst. Einige Organisationen wie der Optimum Population Trust meinen deswegen, diese Länder seien die wirklich überbevölkerten. Die Menschen in den Industrieländern haben einen größeren ökologischen Fußabdruck als die Menschen in den Entwicklungsländern.
http://de.wikipedia.org/wiki/Überbevölkerung